Lesson 1: concrete
by accidental concrete

Für unsere erste Cee Cee Lesson haben wir Jonas Klock eingeladen. Der Produktdesigner fertigt unter dem Namen Accidental Concrete Möbel und Objekte aus Beton an – einige seiner Arbeiten hatten wir bereits im Cee Cee Pop-up-Shop im Juli 2015 vorgestellt.

An einem verschneiten Samstag im November haben wir uns im Acud Macht Neu in Berlin-Mitte eingerichtet und gemeinsam mit Jonas und den Jungs von Bulleit die Hände schmutzig gemacht. Zusammen mit 15 weiteren Teilnehmern haben wir dann, unter Anleitung von Jonas, alle ein Unikat aus Beton angefertigt – eine Vase in Form einer in Beton eingegossenen Glasflasche. 

 

 
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Zuerst haben wir die Schalung gebaut, ein individuelles Muster für unsere Betonvase kreiert, unsere leere Flasche in die Schalung eingebaut und schließlich den Zement angerührt und eingefüllt. Nach vier Tagen Trocknungszeit darf die Schalung dann aufgebrochen werden... 

Wir hatten viel Spaß mit Jonas und den Teilnehmern und sind sehr gespannt auf die unterschiedlichen Ergebnisse des Workshops. Noch stehen die meisten Vasen verpackt auf unserer Heizung, aber in den nächsten Tagen werden alle ausgepackt sein. Nach und nach posten wir die Fotos der fertigen Vasen dann auf Instagram.

 
 
 
 

»ICH WILL DEN TEILNEHMERN EIN GEFÜHL FÜR DEN ENTSTEHUNGSPROZESS EINES OBJEKTES mitgeben.«

Jonas Klock, Accidental Concrete

 
 
 

interview MIT jonas klock

Beton ist unberechenbar. Jonas Klock lässt sich auf dieses Experiment ein. Unter dem Namen Accidental Concrete entwirft und produziert der studierte Architekt in Handarbeit Produkte und Möbel aus Beton. Im Gespräch mit Cee Cee erzählt er, was ihm an dem vermeintlich kalten Material reizt und worin die Herausforderung liegt, Glas und Beton zusammenzubringen.

 
 
 

Du hast an der Universität der Künste Architektur studiert. Wie bist Du zum Produktdesign und zum Material Beton gekommen?

Ich bin während meines Studiums nach Holland gegangen und habe in Rotterdam verschiedene Praktika absolviert. 2013, nach meinem Studium, habe ich dann zunächst als Architekt in Amsterdam und Rotterdam gearbeitet und bin schließlich zurück nach Berlin gekommen. Hier war ich noch ein halbes Jahr als Architekt tätig, habe mich aber letztendlich dafür entschieden, meine eigenen Ideen zu verfolgen...

Der erste Schritt in die Selbstständigkeit und zu Accidential Concret sozusagen.

Ja. Ich habe zunächst einmal angefangen, zu experimentieren. Aber eigentlich habe ich schon vorher immer mal wieder kleine Experimente mit Beton gemacht. Nachdem ich meinen Job gekündigt hatte, habe ich meinen Computer zur Seite gestellt und einfach mit Beton losgelegt.

Brauchtest Du von deinem Beruf als Architekt mal eine Pause?

Ich wollte die Architektur nie komplett verlassen. Das ist immer noch das, was mir viel Freude macht und Liebe gibt. Aber die Art, wie man in der Branche arbeitet, habe ich irgendwann angefangen, zu hinterfragen. Ich habe als Architekt vor allem Dinge entworfen anstatt an Bauten zu arbeiten, die dann realisiert worden sind. Ich hatte allerdings so viele Ideen, für die ich aber damals überhaupt keine Zeit gefunden habe. Das hat mich zunehmend frustriert.

Das heißt, dir fehlte der handwerkliche Aspekt als Architekt?

Es ist einfach etwas anderes, wenn man handwerklich arbeitet und am Ende des Tages ein Produkt in der Hand hält, das man angucken, anfassen, fühlen kann. Ich habe immer nach der Schnittstelle zwischen Architektur und Handwerk gesucht. Ich arbeite gerne in der Werkstatt und lasse dort Sachen entstehen. Aber ich entwerfe sie auch gerne selber. Nebenbei mache ich zum Beispiel auch viele Interiorprojekte. 

Woher kommt denn eigentlich der Name Accidental Concrete? Übersetzt bedeutet das ja übersetzt soviel wie „zufällig Beton".

Der ist aus einer Situation entstanden, als ich am Anfang mit unterschiedlichen Materialien für die Schalung experimentiert habe. Dabei sind viele Objekte entstanden, die ich so nie erwartet hätte. Und meine Freunde haben dann gesagt: "It happened accidentally" – Accidental Concrete. Beton ist ein relativ unberechenbarer Werkstoff. Wenn man versucht Serienprodukte zu fertigen, wird nie eins dem anderen gleichen.

Bei Beton denkt man an die Attribute "schwer", "hart", "kalt", "brachial". Warum hast Du Dich für dieses Material entschieden?

Ich mag an dem Werkstoff, dass er in einem Prozess entsteht. Beton ist zunächst in einem flüssigen Aggregatszustand. Man baut eine Negativ-Form, die dann mit dem Beton ins Positiv übersetzt wird. Man kann Beton eigentlich in jede Form gießen, solang man es schafft, die Schalung dementsprechend zu bauen. Diesen Prozess finde ich sehr interessant, ebenso wie den Effekt des Unerwarteten. Außerdem: Viele Leute haben bei Beton gewisse Vorurteile. Beton nimmt nach einer bestimmten Zeit die Raumtemperatur an, das heißt, er ist gar nicht so kalt. Wenn die Leute ihn dann anfassen und darüber streichen, sind sie fasziniert davon, wie sich Beton anfühlen kann. Das finde ich immer ganz witzig zu beobachten.

 
 
 

»INDIVIDUALITÄT SPIELT BEI MIR EINE GROSSE ROLLE. JEDES STÜCK HAT SEINEN EIGENEN CHARAKTER.«  

 
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Wie würdest Du Deine Arbeitsweise beschreiben?

Es kommt darauf an, was ich mache. Ich habe zum Beispiel Lampen entworfen, die ein Mix aus Beton und Neon sind. Solche Produkte mache ich vom Ort abhängig; wenn ich dort zum Beispiel eine Form oder ein bestimmtes Merkmal entdecke, überlege ich, wie man sie in eine abstraktere Betonskulptur übersetzen kann. Das sind teilweise intuitive Ideen oder Dinge, die man mit dem Kunden erarbeitet. Ich habe vor kurzem eine Anfrage für einen drei Meter langen Tisch bekommen. Da habe ich gesagt: „Der wird ein gewisses Gewicht haben. Soll der Tisch immer an einer Stelle stehen?“ Woraufhin der Kunde meinte: "Nein, ich würde den gerne flexibel verändern können". Letztendlich ist ein modulareres System aus Beton und Stahl entstanden, das man in einzelne Elemente aufteilen kann.

Was macht Deine Objekte und Möbel einzigartig?

Ich glaube, eine gewisse Leichtigkeit dahingehend, dass ich nicht auf eine extreme Perfektion hinarbeite. Meine Produkte sollen gut aussehen, aber – und da kommen wir auch wieder zurück zum Namen –, wenn ich Produkte gieße, kommt es mir nicht darauf an, dass alle zu hundert Prozent gleich ist. Stattdessen spielt die Individualität bei mir eine große Rolle. Wenn also ein Produkt etwas gröber aussieht als das andere, dann finde ich das nicht so schlimm. Das würde ich nicht aussortieren – jedes Stück hat einfach seinen eigenen Charakter

Woher stammt die Idee vom Eingießen einer Flasche in Beton, wie bei den Vasen, die wir in der Cee Cee Lesson hergestellt haben?

Die Idee kam von einem ganz frühen Objekt: Für die Hochzeit eines guten Freundes sollten wir alle eine Glasflasche gestalten. Nur etwas dranzukleben und draufzuschreiben war mir zu banal. Also habe ich die Flasche – damals noch in Gips – eingegossen. Daraus ist die Idee der Beton-Vase mit der Milchflasche, wie ich sie sonst mache, entstanden. Und für die Cee Cee Lesson mit Bulleit habe ich es jetzt mit der Wiskeyflasche ausprobiert. Einer vollen natürlich und es hat gut geklappt, wie man sieht. Wir haben daraus eine Limited Edition gemacht, jedes der zehn Stücke ist durchnummeriert.

Was war die Herausforderung beim Eingießen der Wiskeyflasche für die Cee Cee Lessons Limited Edition? Steht die Flasche von Anfang an in der Schalung?

Damit die Flasche beim Eingießen nicht durch den Beton aufgeschwemmt wird, muss man sie in der Schalung befestigen. Das verhindere ich bei der Wiskeyflasche mit Silikon, wo ich zum Beispiel Abdrücke vom Flaschenhals mache. Das dabei entstehende Negativ gieße ich wieder in ein Positiv und baue es dann in die Schalung ein. Dadurch bleibt die Flasche dann beim Eingießen in Position.

Was hast Du Dir selbst von der Cee Cee Lesson, einem Workshop mit rund 15 Teilnehmern erhofft – beziehungsweise, was wolltest Du mitnehmen?

Mitnehmen weniger, ich will Mitgeben. Ich will den Leuten ein Gefühl für den Entstehungsprozess eines Objektes mitgeben, das einen ganz persönlichen, individuellen Charakter hat. Und einfach zeigen, dass es Spass machen kann so ein Objekt selbst entstehen zu lassen. Man nimmt das fertige Produkt ganz anders wahr, wenn man dessen Entstehung miterlebt hat.

 

Interview: Katharina Pencz
Fotos: Andreas Bohlender, Daniel Farò 

 

 
 
 

LESSON 1 — DAS MAKING-OF DER
Limited EditiON

 

Im Zuge der ersten Lesson haben wir mit Jonas eine Limited Edition kreiert und dafür zehn Bulleit Whiskeyflaschen in Beton eingegossen. Mit dabei war auch Flore vom Cafe Roamers, einem Cee Cee Favoriten. Dafür haben wir Jonas in seinem Atelier in Oberschöneweide in den ehemaligen Funkhaus-Studios besucht, ihm über die Schulter geschaut und das Ganze in einem Film festgehalten.