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Lesson1:Concrete


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Lesson1:Concrete


 

Past Lessons

Im vergangenen Sommer haben wir uns mit Bulleit zusammengesetzt und entschieden etwas gemeinsam zu starten. Entstanden ist das Konzept einer Workshop-Serie, bei der wir Experten wie Produktdesigner, Handwerker und Entrepreneure einladen, um mit ihnen etwas zusammen zu machen – hands on!

Neben dem Spaß an der Sache geht es uns darum, Neues zu lernen – aus erster Hand sozusagen. Im Schaffensprozess erfahren wir mehr über die Konzepte und Inspiration der Experten, über die Arbeitsweise sowie unterschiedliche Materialien und Ausgangsprodukte, wie Beton, Tee oder Holz.

Ein weiterer Aspekt der Cee Cee Lessons, der uns wichtig ist: Wir wollen Leuten zusammenbringen, Dinge anstoßen, Synergien schaffen und im besten Fall Kooperationen zwischen den Machern oder den Teilnehmern anregen.

  • Lesson 1: Concrete by accidental concrete

  • Lesson 2: Tea by Manuteefaktur

  • Lesson 3: Wood by Rainer Spehl

  • Lesson 4: Macramé with Bohazel

  • Lesson 5: Algae by Blond & Bieber

  • Lesson 6: Letterpress & Linolschnitt mit Supersense

Lesson 1: concrete
by accidental concrete

Für unsere erste Cee Cee Lesson haben wir Jonas Klock eingeladen. Der Produktdesigner fertigt unter dem Namen Accidental Concrete Möbel und Objekte aus Beton an – einige seiner Arbeiten hatten wir bereits im Cee Cee Pop-up-Shop im Juli 2015 vorgestellt.

An einem verschneiten Samstag im November haben wir uns im Acud Macht Neu in Berlin-Mitte eingerichtet und gemeinsam mit Jonas und den Jungs von Bulleit die Hände schmutzig gemacht. Zusammen mit 15 weiteren Teilnehmern haben wir dann, unter Anleitung von Jonas, alle ein Unikat aus Beton angefertigt – eine Vase in Form einer in Beton eingegossenen Glasflasche. 

 

 
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Zuerst haben wir die Schalung gebaut, ein individuelles Muster für unsere Betonvase kreiert, unsere leere Flasche in die Schalung eingebaut und schließlich den Zement angerührt und eingefüllt. Nach vier Tagen Trocknungszeit darf die Schalung dann aufgebrochen werden... 

Wir hatten viel Spaß mit Jonas und den Teilnehmern und sind sehr gespannt auf die unterschiedlichen Ergebnisse des Workshops. Noch stehen die meisten Vasen verpackt auf unserer Heizung, aber in den nächsten Tagen werden alle ausgepackt sein. Nach und nach posten wir die Fotos der fertigen Vasen dann auf Instagram.

 
 
 
 

“ICH WILL DEN TEILNEHMERN EIN GEFÜHL FÜR DEN ENTSTEHUNGSPROZESS EINES OBJEKTES mitgeben.”

Jonas Klock, Accidental Concrete

 
 
 
 
 

interview MIT jonas klock

Beton ist unberechenbar. Jonas Klock lässt sich auf dieses Experiment ein. Unter dem Namen Accidental Concrete entwirft und produziert der studierte Architekt in Handarbeit Produkte und Möbel aus Beton. Im Gespräch mit Cee Cee erzählt er, was ihm an dem vermeintlich kalten Material reizt und worin die Herausforderung liegt, Glas und Beton zusammenzubringen.

 
 
 

Wie bist du nach Berlin gekommen (und wo hast du vorher gewohnt)?

Jonas Clock: Ich bin während meines Studiums nach Holland gegangen und habe in Rotterdam verschiedene Praktika absolviert. 2013, nach meinem Studium, habe ich dann zunächst als Architekt in Amsterdam und Rotterdam gearbeitet und bin schließlich zurück nach Berlin gekommen. Hier war ich noch ein halbes Jahr als Architekt tätig, habe mich aber letztendlich dafür entschieden, meine eigenen Ideen zu verfolgen...

Der erste Schritt in die Selbstständigkeit und zu Accidential Concret sozusagen.

Jonas Clock: Ja. Ich habe zunächst einmal angefangen, zu experimentieren. Aber eigentlich habe ich schon vorher immer mal wieder kleine Experimente mit Beton gemacht. Nachdem ich meinen Job gekündigt hatte, habe ich meinen Computer zur Seite gestellt und einfach mit Beton losgelegt.

Brauchtest Du von deinem Beruf als Architekt mal eine Pause?

Jonas Clock: Ich wollte die Architektur nie komplett verlassen. Das ist immer noch das, was mir viel Freude macht und Liebe gibt. Aber die Art, wie man in der Branche arbeitet, habe ich irgendwann angefangen, zu hinterfragen. Ich habe als Architekt vor allem Dinge entworfen anstatt an Bauten zu arbeiten, die dann realisiert worden sind. Ich hatte allerdings so viele Ideen, für die ich aber damals überhaupt keine Zeit gefunden habe. Das hat mich zunehmend frustriert.

Das heißt, dir fehlte der handwerkliche Aspekt als Architekt?

Jonas Clock: Es ist einfach etwas anderes, wenn man handwerklich arbeitet und am Ende des Tages ein Produkt in der Hand hält, das man angucken, anfassen, fühlen kann. Ich habe immer nach der Schnittstelle zwischen Architektur und Handwerk gesucht. Ich arbeite gerne in der Werkstatt und lasse dort Sachen entstehen. Aber ich entwerfe sie auch gerne selber. Nebenbei mache ich zum Beispiel auch viele Interiorprojekte. 

Woher kommt denn eigentlich der Name Accidental Concrete? Übersetzt bedeutet das ja übersetzt soviel wie „zufällig Beton".

Jonas Clock: Der ist aus einer Situation entstanden, als ich am Anfang mit unterschiedlichen Materialien für die Schalung experimentiert habe. Dabei sind viele Objekte entstanden, die ich so nie erwartet hätte. Und meine Freunde haben dann gesagt: "It happened accidentally" – Accidental Concrete. Beton ist ein relativ unberechenbarer Werkstoff. Wenn man versucht Serienprodukte zu fertigen, wird nie eins dem anderen gleichen.

Bei Beton denkt man an die Attribute "schwer", "hart", "kalt", "brachial". Warum hast Du Dich für dieses Material entschieden?

Jonas Clock: Ich mag an dem Werkstoff, dass er in einem Prozess entsteht. Beton ist zunächst in einem flüssigen Aggregatszustand. Man baut eine Negativ-Form, die dann mit dem Beton ins Positiv übersetzt wird. Man kann Beton eigentlich in jede Form gießen, solang man es schafft, die Schalung dementsprechend zu bauen. Diesen Prozess finde ich sehr interessant, ebenso wie den Effekt des Unerwarteten. Außerdem: Viele Leute haben bei Beton gewisse Vorurteile. Beton nimmt nach einer bestimmten Zeit die Raumtemperatur an, das heißt, er ist gar nicht so kalt. Wenn die Leute ihn dann anfassen und darüber streichen, sind sie fasziniert davon, wie sich Beton anfühlen kann. Das finde ich immer ganz witzig zu beobachten.

 
 
 

“INDIVIDUALITÄT SPIELT BEI MIR EINE GROSSE ROLLE. JEDES STÜCK HAT SEINEN EIGENEN CHARAKTER.”  

 
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Wie würdest Du Deine Arbeitsweise beschreiben?

Jonas Clock: Es kommt darauf an, was ich mache. Ich habe zum Beispiel Lampen entworfen, die ein Mix aus Beton und Neon sind. Solche Produkte mache ich vom Ort abhängig; wenn ich dort zum Beispiel eine Form oder ein bestimmtes Merkmal entdecke, überlege ich, wie man sie in eine abstraktere Betonskulptur übersetzen kann. Das sind teilweise intuitive Ideen oder Dinge, die man mit dem Kunden erarbeitet. Ich habe vor kurzem eine Anfrage für einen drei Meter langen Tisch bekommen. Da habe ich gesagt: „Der wird ein gewisses Gewicht haben. Soll der Tisch immer an einer Stelle stehen?“ Woraufhin der Kunde meinte: "Nein, ich würde den gerne flexibel verändern können". Letztendlich ist ein modulareres System aus Beton und Stahl entstanden, das man in einzelne Elemente aufteilen kann.

Was macht Deine Objekte und Möbel einzigartig?

Jonas Clock: Ich glaube, eine gewisse Leichtigkeit dahingehend, dass ich nicht auf eine extreme Perfektion hinarbeite. Meine Produkte sollen gut aussehen, aber – und da kommen wir auch wieder zurück zum Namen –, wenn ich Produkte gieße, kommt es mir nicht darauf an, dass alle zu hundert Prozent gleich ist. Stattdessen spielt die Individualität bei mir eine große Rolle. Wenn also ein Produkt etwas gröber aussieht als das andere, dann finde ich das nicht so schlimm. Das würde ich nicht aussortieren – jedes Stück hat einfach seinen eigenen Charakter

Woher stammt die Idee vom Eingießen einer Flasche in Beton, wie bei den Vasen, die wir in der Cee Cee Lesson hergestellt haben?

Jonas Clock: Die Idee kam von einem ganz frühen Objekt: Für die Hochzeit eines guten Freundes sollten wir alle eine Glasflasche gestalten. Nur etwas dranzukleben und draufzuschreiben war mir zu banal. Also habe ich die Flasche – damals noch in Gips – eingegossen. Daraus ist die Idee der Beton-Vase mit der Milchflasche, wie ich sie sonst mache, entstanden. Und für die Cee Cee Lesson mit Bulleit habe ich es jetzt mit der Wiskeyflasche ausprobiert. Einer vollen natürlich und es hat gut geklappt, wie man sieht. Wir haben daraus eine Limited Edition gemacht, jedes der zehn Stücke ist durchnummeriert.

Was war die Herausforderung beim Eingießen der Wiskeyflasche für die Cee Cee Lessons Limited Edition? Steht die Flasche von Anfang an in der Schalung?

Jonas Clock: Damit die Flasche beim Eingießen nicht durch den Beton aufgeschwemmt wird, muss man sie in der Schalung befestigen. Das verhindere ich bei der Wiskeyflasche mit Silikon, wo ich zum Beispiel Abdrücke vom Flaschenhals mache. Das dabei entstehende Negativ gieße ich wieder in ein Positiv und baue es dann in die Schalung ein. Dadurch bleibt die Flasche dann beim Eingießen in Position.

Was hast Du Dir selbst von der Cee Cee Lesson, einem Workshop mit rund 15 Teilnehmern erhofft – beziehungsweise, was wolltest Du mitnehmen?

Jonas Clock: Mitnehmen weniger, ich will Mitgeben. Ich will den Leuten ein Gefühl für den Entstehungsprozess eines Objektes mitgeben, das einen ganz persönlichen, individuellen Charakter hat. Und einfach zeigen, dass es Spass machen kann so ein Objekt selbst entstehen zu lassen. Man nimmt das fertige Produkt ganz anders wahr, wenn man dessen Entstehung miterlebt hat.

 

Interview: Katharina Pencz
Fotos: Andreas Bohlender, Daniel Farò 

 

 
 
 
 
 

LESSON 1 — DAS MAKING-OF DER
Limited EditiON

Im Zuge der ersten Lesson haben wir mit Jonas eine Limited Edition kreiert und dafür zehn Bulleit Whiskeyflaschen in Beton eingegossen. Mit dabei war auch Flore vom Cafe Roamers, einem Cee Cee Favoriten. Dafür haben wir Jonas in seinem Atelier in Oberschöneweide in den ehemaligen Funkhaus-Studios besucht, ihm über die Schulter geschaut und das Ganze in einem Film festgehalten.

 
 
 
 
 
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Lesson 2


Lesson 2


 

LESSON 2: TEA
BY MANUTEEFAKTUR

Bei der zweiten Cee Cee Lesson haben wir es uns in der ManuTeeFaktur und dem angeschlossenen Secret Tea Salon gemütlich gemacht. Wir von Cee Cee hatten Inhaber Manu Kumar bereits 2012 kennengelernt, als er anfing seinen eigenen Eistee herzustellen. Die Entwicklung seiner Marke haben wie seither aufmerksam verfolgt. Inzwischen bietet Manuneben losen Blatttees und Chai-Mischungenneuerdings auch Kombucha an. Und genau darüber und über Manus Arbeitsweise wollten wir mehr erfahren. 

An einem grauen Sonntagnachmittag im Februar haben wir uns also, gemeinsam mit unseren 10 Teilnehmern der Cee Cee Lesson, in der Manuteefaktur eingefunden um in Manus Hinterhofremise zu lernen, wie man Kombucha herstellt und eine Chai-Mischung macht. Und das natürlich ganz im Sinne unserer Lessons-Reihe: Hands on. 

 
 
 
 

Nach einer Einführung in die Geschichte des Kombuchas hat uns Manu erklärt, wie man das fermentierte Tee-Getränk selbst herstellen kann und einen seiner Tee-Pilze mit uns geteilt. Danach durften wir unseren eigenen Pilz mit Grün- oder Schwarztee aufgießen und nach Geschmack mit frisch gepresstem Ingwer und Zitronensaft verfeinern – aber das war nur der erste Teil. Danach wurde gemörsert. Die Manuteefaktur, die für Manu Produktionsstätte und Labor zugleich ist, begann nach frischem Kardamom, Pfeffer, Anis und vielen weitere Zutaten zu duften und jeder Teilnehmer durfte sich seine individuelle Chai-Mischung zusammenstellen und mit einem personalisierten Etikett mit nach Hause nehmen. 

 

Bevor wir zum gemütlichen Teil des Workshops kamen – dem Ausklang des Tages mit einem Glas Rooisbos-Whiskey-Punsch – wurde die Remise noch zu einer kleinen Produktionsstätte. Aus frischem Limettensaft, Manus Rooisbos Tee und Honig wurde in einem großen Kessel eine Punschmischung eingekocht. Auf Eis, mit Bulleit Whiskey verfeinert und einem Zweig Rosmarin garniert haben wir dann zum Schluss mit einem Tee-Cocktail auf unser neues Wissen angestoßen. 

Mit einem prall gefüllten Beutel mit Tee in den unterschiedlichsten Ausprägungsformen sind wir und unsere Lessons-Gäste dann nach Hause gegangen und beobachten seither wie sich unser Kombucha-Pilz entwickelt. Nach und nach werden wir Fotos davon auf Instagram posten.
 

 
 
 

Interview mit Manu Kumar von der Manuteefaktur

Mit der Produktion zweier Eistee-Sorten fing alles an – das war 2012. Inzwischen reicht das Sortiment der Manuteefaktur von schwarzem Blatttee bis zu Kombucha und aus einer Hinterhofwerkstatt ist ein kleiner Tee-Salon geworden. Aber der Spirit steckt nach wie vor in jeder abgefüllten Flasche Lemongrass-Tea und in jedem Glas Chai – dank Manu Kumar. Der charismatische Inhaber ist vom Teeliebhaber zum Entrepreneur und Experten geworden. Grund genug die zweite Lesson in der Manuteefaktur zu veranstalten und ihm vorab ein paar Fragen zu stellen.  

 

 
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Du bist eigentlich Architekt und Künstler. Wie kam es zur Gründung der Manuteefaktur? 

Früher hatte ich hier in meinem Studio ein Co-Working-Office. Damals habe ich morgens immer für alle Tee gemacht. Irgendwann war ich dann mal ein, zwei Wochen verreist und als ich zurückkam, haben sich alle beschwert und gesagt: "Ey, das nächste Mal musst Du aber den Tee vorkochen." Später haben die Nachbarbüros auch nach meinem Tee gefragt, dann die Cafés in der Nähe und so ist die Manuteefaktur quasi einfach entstanden.

Woher kommt Deine Leidenschaft für Tee?

Bestimmt von meinen indischen Genen. Ich bin mit Tee groß geworden. Ich habe eigentlich mein ganzes Leben lang Tee getrunken, auch wenn ich gereist bin. In Asien bekommt man immer ein Glas eingeschenkt, egal wo man hinkommt. Dort ist Tee nicht nur ein Getränk, sondern eine Art Ritual. Meine Qualifikation ist eigentlich das Teetrinken und nicht Teemachen (lacht). Aber natürlich bekommt man unterwegs ein Gespür dafür, wenn man genau hinsieht, wie der Tee zubereitet wird und welche Zutaten benutzt werden.

Angefangen hast Du mit Eistees. Warum?

Damals trank ich eine Zeit lang keinen Alkohol und nach der hundertsten Apfelschorle wollte ich endlich mal etwas anderes trinken. In einem vietnamesischen Restaurant habe ich dann den Lemongrass-Tea wiederentdeckt – den liebe ich seit meinen Asienreisen. In Berlin bekam ich aber nur ein knallsüßes Getränk, das mit Konzentraten aus Plastikflaschen hergestellt wurde. Da wusste ich: Das kann ich auf jeden Fall besser! 

Nach welchen Kriterien wählst Du Deine Zutaten aus? 

Ich stelle nur Klassiker, also traditionelle Getränke nach alten Rezepturen her. Die verändere ich auch nicht, denn sie sind bereits über Jahrhunderte erprobt. Ich habe ursprünglich Architektur und Kunst studiert und finde es daher toll Dinge selbst zu machen – den Tresen hier in der Remise zu bemalen oder die Etiketten selbst zu gestalten. Aber bei den Rezepturen bin ich sehr konservativ. Wichtig ist aber vor allem: Es muss mir schmecken! 

 

 

»Meine Qualifikation ist eigentlich Teetrinken und nicht Teemachen.«

 
 
 
 

 

Das Rezept für den Indian Masala Chai stammt von Deiner Familie väterlicherseits, aber wo bekommst du die übrigen Rezepte her? 

Wir hatten kein exaktes Rezept für den Chai daheim, sondern haben einfach nach Gefühl, eine Prise hiervon und eine Hand davon genommen. Die anderen Rezepturen habe ich recherchiert – teilweise auch auf Reisen, wo ich sie mit den Einheimischen gekocht habe. Man muss das vor Ort machen – über die Nase, über den Bauch – und das Bauchgefühl ist hier im wahrsten Sinn wirklich entscheidend.

Woran erkennst Du einen hochwertigen Tee?

Mir geht es erst mal um die Rezepturen. Es sind ja eigentlich Teemischungen, mit denen ich mich beschäftige. Es ist wirklich einfach Geschmackssache. Sprechen wir von Tee, sprechen wir meistens von der deutschen Definition: Wenn man irgendwo kochendes Wasser draufkippt, ist das hierzulande Tee. Im Englischen nennt man das infusion. Echter Tee sind eigentlich nur die Blätter der Camellia Sinensis (Anmerk. d. Red.: Teepflanze). Wenn man einen Standardteebeutel mit einer guten Teemischung vergleicht, erkennt man sofort klare Unterschiede. Letzterer ist viel aromatischer, weil er aus echten Zutaten und nicht aus künstlichen Aromen besteht. Manchmal riechen billige Tees sehr stark, fast schon wie ein Parfüm, aber in der Tasse bleibt dann nichts von diesem Aroma übrig.

In der Manuteefaktur ist vieles von Dir selbst gemacht. Welchen Stellenwert hat der "Handmade"-Aspekt für Dich?

Gerade am Anfang einen sehr großen. Dadurch habe ich gelernt das Produkt zu verstehen. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie stolz ich war, als ich meine Eisteeflasche mal zufällig bei einer Frau im Fahrradkorb gesehen habe – wie in so einer Kitschwerbung. Da dachte ich "Wow! – den hab' ich gemacht!". Das ist ein tolles Gefühl gewesen. Aber inzwischen merke ich, dass das Selbermachen nicht mehr so entscheidend wie am Anfang ist. Den Mörser zum Zermahlen der Zutaten für den Chai ersetze ich zum Beispiel gerade durch ein Mahlwerk, das ich mit dem Schlosser nebenan selber entwickle, damit hier alles ein bisschen größer werden kann. Ich habe jetzt auch eine Etikettiermaschine für die Eistees. Irgendwie mache ich gerade die ganze industrielle Revolution durch – 100 Jahre in einem Jahr (lacht). Meine Hauptaufgabe ist die Qualität – dafür müssen immer die echte Nase und die echten Hände ran, das Handgemachte geht also nicht verloren.

Was Du zum Beispiel selbst ansetzt, ist der Kombucha, ein auf vielen unterschiedlichen Mikroorganismen basierendes Getränk. Was ist das Besondere?

Kombucha ist ein fermentierter Teepilz. Kombu ist die Braunalge und Cha heißt Tee – das sind beides japanische Worte. Aber Kombucha ist auch in China schon immer sehr verbreitet gewesen und hat sich in den letzten Jahrhunderten stark im russischen Raum verbreitet. Nach Deutschland kam der Kombucha eigentlich erst nach dem ersten Weltkrieg. Meine Mutter kommt aus dem ehemaligen Ostpreußen und daher kenne ich ihn aus meiner Kindheit. Mir schmeckt er super! Man gießt einen ganz starken Tee auf, der wahnsinnig gesüßt wird. Dann gibt man diesen Pilz dazu und innerhalb von zehn Tagen entsteht ein ganz anderes Getränk. Das finde ich total aufregend.

 
 
 

»DAS MÖCHTE ICH DEN LEUTEN MITGEBEN: EINFACH MACHEN! RIECHEN! SCHMECKEN! PROBIEREN!«

 
 
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Wie kann man den Geschmack beschreiben?

Das kommt darauf an, welchen Tee man verwendet. Ich habe zwei Sorten, einen auf Grünteebasis und einen auf Grüntee-Ingwer-Basis – das ist ein sehr erfrischendes, fruchtiges Getränk und so bitzelig wie ein Federweiser.

Mit den Teilnehmern der Cee Cee Lesson wirst Du auch Kombucha ansetzen. Worauf muss man dabei achten?

Man muss sehr sauber arbeiten, damit sich keine gesundheitsschädlichen Bakterien ansiedeln. Außerdem darf er nicht erhitzt werden, denn sonst sterben die lebenden Kulturen ab. Er muss gut belüftet sein, aber man sollte ihn abdecken, damit oben keine Fliegen reingehen, denn die werden von dem gesüßten Tee angezogen. Je wärmer er steht, desto schneller wächst er.

Im zweiten Teil des Workshops geht es darum einen Cocktail zu mixen, genauer einen Tee-Whiskey-Cocktail. Worauf muss man achten, wenn man seine Drinks mit Tee mixt?

Dass man nicht zu viel davon trinkt (lacht). Ich habe herausgefunden, dass mein Lemongrass-Tea super mit Gin schmeckt. Das ist einfach ein perfektes Sommergetränk. Jetzt freue ich mich Tee mit Whiskey auszuprobieren. Ich wollte unbedingt immer einen Punsch machen. Der bietet sich an, weil er auch aus Indien kommt, also dort, wo meine Wurzeln sind. Viele denken bei Punsch an Kopfschmerzen, weil die meisten einfach mit billigem Alkohol und massig Zucker hergestellt werden – aber wir werden einen richtig Guten machen mit Rooibos und Bulleit Whiskey.

Whiskey ist ja, genau wie Tee auch, ein sehr aromatisches Getränk. Welche Gemeinsamkeiten siehst Du hier noch?

Die Herangehensweise beider Produkte und der Faktor Zeit. Den Alchemie-Aspekt finde ich toll, beispielsweise, dass die Holzfässer vom Whiskey innen ausgerußt werden.

Was erhoffst Du Dir von der Cee Cee Lesson – was willst Du den Teilnehmern mitgeben und was möchtest Du selbst mitnehmen?

Faktisch gebe ich den Teilnehmern wirklich den Kombucha mit, aber das ist nur ein Symbol. Es geht eigentlich ums Selbermachen. Ich finde es immer spannend, wenn jemand sagt "Wie geht das? Warum kannst du das?" und ich spüre diese Hemmung der Menschen etwas selbst zu machen. Dabei fing jedes Produkt auf der Welt eigentlich mal klein daheim am Basteltisch an. Und genau das möchte ich den Leuten mitgeben. Einfach machen! Riechen! Schmecken! Probieren! Wenn ich einen Workshop gebe, lerne ich auch immer selbst dazu, denn es werden Fragen gestellt und ich muss mich darauf vorbereiten. 

Deine Kunden können jetzt auch bei Dir in der Manuteefaktur dabei sein, denn im letzten Jahr hast Du gemeinsam mit Monica aka The Lovebite Girl das Secret Tea House eröffnet. Wie ist es dazu gekommen?

Dafür ist Monica verantwortlich. Wir sind beide von Haus aus Künstler und haben die gleichen Interessen, darunter auch Lebensmittel – sie backt glutenfreie Leckereien, wie Banana Bread. Monica hatte ihre Lovebites zuerst in Sydney gebacken und wollte dann auch hier in Berlin einen Ort schaffen, wo man sie probieren kann. Wir nennen den Secret Tea Salon auch einen Testing Room: Wir haben nur drei Tage die Woche nachmittags auf, an denen wir uns dann aber auch wirklich mit den Kunden beschäftigen können. Denn die sind total interessiert daran, was wir hier genau machen. Und genau dafür gibt es diesen Ort.

 

Interview: Katharina Pencz
Fotos: Andreas Bohlender, Daniel Farò
Video: Ali Naddafi

 

 
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Lesson 3


Lesson 3


 

LESSON 3: WOOD
BY RAINER SPEHL

Letzten Samstag (09.04.2016) haben wir uns im Studio von Rainer Spehl in Berlin-Mitte eingefunden, um im Rahmen der dritten Ausgabe unserer Cee Cee Lessons individuelle Schneidebretter aus Holz zu fertigen. Zuerst gab es eine kleine Materialkunde von Rainer, der uns eine Auswahl verschiedener Hölzer und ihre Beschaffenheit vorstellte. Dann ging’s los: das Cee Cee Team, die Jungs von Bulleit und unsere 10 geladenen Gäste verbrachten die nächsten fünf Stunden damit zu sägen, kleben, hobeln und feilen – getreu unseres Mottos “hands on”. Am Mittag wurde das neue Wissen dann im Rahmen einer kleinen Brotzeit am langen Holztisch im Hinterhof ausgetauscht. Die Whiskey Drinks gab’s natürlich (eigentlich) erst nach getaner Arbeit… Und nach Hause gegangen sind wir alle stolz und happy: mit unserem eigenen Holzbrett!

 
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Aber auch abseits von unserem Workshop lohnt ein Besuch bei Rainer Spehl: im Keller seiner Remise hat er einen Showroom installiert, wo man sowohl fertige Objekte als auch seine Holz-Eperimente sehen kann: Elegante Stühle, Tische und lässige Hocker, die jede Küche verschönern und vieles weitere. Rainer arbeitet für Privatkunden und fertigt kleine Serien. Wir sind Fans seiner Arbeit – und jetzt, nach dem Workshop, um so mehr auch von ihm. Danke Rainer, dass Du Dein Wissen und Verständnis mit uns geteilt hast.

 
 
 

INTERVIEW MIT RAINER SPEHL

Möbeldesigner, Tischler, Design Maker, Holzexperte, Um-die-Ecke-Denker – auf Rainer Spehl trifft vieles zu, nur in eine Schublade lässt er sich nicht stecken. Der Wahlberliner entwickelt Möbelserien und -stücke für kommerzielle und private Auftragskunden, während er seine eigenen Arbeiten verwirklicht, die alle eines gemeinsam haben: Aus Holz müssen sie sein. Dabei entstehen dann schon mal so Dinge wie ein hölzernes Laptop-Case, mit dem er vor ein paar Jahren für Aufsehen sorgte. Sein Prinzip dabei? Mit Imperfektion zur Perfektion.

 
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Du bist das, was man im Englischen einen „design maker“ nennt. Du gestaltest Möbel, stellst diese aber auch selbst her. Woher kommt deine Expertise sowohl im Bereich Design als auch Handwerk?

Ich hatte immer schon ein großes Interesse an Möbeln. Nach einem Jahr Maschinenbau-Studium, was sich ziemlich schnell als das Falsche für mich herauskristallisierte, habe ich eine Zeit lang ganz hands on Verschiedenstes ausprobiert und arbeitete für Schlosser, Tischler und Modellbauer. Ich wollte erst einmal verstehen, wie alles funktioniert.
Die Idee, Designer zu werden, war für mich damals noch kaum greifbar, auch wenn mich der ästhetische Aspekt immer schon gereizt hat. Mein Horizont war rein auf Deutschland beschränkt, bevor ich eine Frau kennenlernte, die mich nach London gebracht hat. Dort habe ich dann am Ravensbourne College Produktdesign im Bachelor studiert. Das hat unheimlich Spaß gemacht. So viel, dass ich quasi in einem Schwung auch den Master am Royal College gemacht habe, was mir noch mal einen weiteren Kontext gegeben hat. Am Royal College ging es weniger darum, Gegenstände zu entwickeln als um die Beantwortung der Frage, was morgen und übermorgen an Produkten benötigt werden wird.

Wann war für Dich klar, dass Du primär mit Holz arbeiten möchtest?

Holz ist das einfachste Material, um gestalterische Ideen umzusetzen.
Nach meinem Studium habe ich erst einmal als freier Designer und mit ganz unterschiedlichen Materialien gearbeitet, was auch wichtig war und viel Spaß gebracht hat – zum Beispiel meine Kunststoffhocker, die weltweit verkauft und ausgestellt wurden. Als das Thema Recycling ganz groß war, habe ich mit Freunden, die einen Laden für historische Bauelemente hatten, das Jazzcafé des Buchhandels Foyles London mit recycelten Möbeln ausgestattet. Dass es nach und nach immer „holziger“ wurde, hat sich durch viel Experimentieren und unterschiedliche Projekte ergeben, in denen ich die Haptik, Schönheit und auch die Grenzen des Materials kennengelernt habe.

Im Jahr 2003 bist Du in Berlin gelandet. Womit hast du hier Fuß gefasst?

Ich beendete meine einjährige Weltreise nach meiner Zeit in London in Berlin und fand den Spirit sofort toll. Zuerst hatte ich nur eine kleine WG-Werkstatt, bevor ich mein Studio in der Brunnenstraße fand. Von hier aus habe ich erst einmal relativ viel Messebau betrieben, wie zum Beispiel den Stand für Nike bei der Bread & Butter. Diese Erfahrung war sehr wichtig für mich, ich habe viel Wissen über Materialien gewonnen, mit denen ich vorher kaum zu tun hatte.

Wann hast Du angefangen, Auftragsarbeiten auszuführen und welches Möbel war das erste dieser Art?

Das passierte ganz organisch. Ich nahm Aufträge von Freunden an. Die ersten eigenen Produkte waren meine Schemel. Ich habe einem Bekannten bei der Einrichtung geholfen, er wollte einen Eichentisch und sechs ganz einfache Schemel. „Mit drei Beinen, weisst du. Ganz simpel.“ Wusste ich. Fand ich aber nicht. Man möchte meinen, im Internet gibt es alles. Aber gerade die einfachen Dinge sind oft schwer zu finden. Also habe ich sie selber gebaut. 

 

 

»Holz ISt das einfachste Material, um gestalterische Ideen umzusetzen.«

 
 
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Gibt es ein größeres Projekt, das Du gerne angehen würdest, aber bisher noch nicht die Gelegenheit zur Realisation hattest? 

Eines Tages würde ich gerne mein eigenes, kleines Haus bauen. Ich weiß schon viel über Holz für Möbel, aber wenn es um große, schwere, dicke Bretterbohlen, Holzstücke und Verbindungen geht, bin ich noch nicht wirklich gut. Um das zu lernen, würde ich unglaublich gerne nach Japan gehen und dort ein halbes Jahr bei jemandem arbeiten.

Was ist das wichtigste Ventil für Deinen kreativen Schaffensprozess?

Ich bin ein großer Freund von Fehlern und Makeln. Es gibt kaum etwas Schöneres, als die individuelle Patina herauszukitzeln und ein Material richtig herauszufordern. Das Holz meines Küchentisches stammt beispielsweise aus Polen und hat eine Stelle, an der es im Krieg von einer Granate getroffen wurde. Anhand dieses Tisches habe ich das erste Mal entdeckt und verstanden, wie Eisen mit Holz reagiert und was da für eine tolle, verrückte Farbe entstehen kann. Ich habe dann ein Stück Eisen in ein anderes Holzstück gesteckt und untersucht, wie sich die Materialien verändern. Heute arbeite ich bei vielen meiner Produkte mit dieser Kombination.

Was wäre für Dich schlimmer: Wenn Du nur noch gestalten könntest, ohne selbst zu bauen oder wenn du nur noch externe Aufträge umsetzen könntest?

Ich könnte nie nur Servicearbeit leisten. Dann wäre ich lieber nur Gestalter. Aufträge setze ich nur um, wenn ich auch mitgestalten darf.

Wo liegen die Grenzen der Mitbestimmung im Austausch mit Deinen Kunden?

Wenn sie schlau sind, verstehen sie, dass sie mir ab einem gewissen Grad vertrauen müssen. Kommunikation ist aber sehr wichtig. Viele Leute, die mit Gestaltung gar nichts zu tun haben und nur in Zeitschriften über Design geblättert haben, überschätzen ihr Wissen oft. Ich kann aber prinzipiell solange mit meiner Arbeit auch nicht zufrieden sein, bis der Kunde nicht glücklich ist. Das ist ehrlich gesagt bislang aber noch nicht passiert.

 
 
 

»Ich bin ein großer Freund von Fehlern und Makeln. Es gibt kaum etwas Schöneres, als die individuelle Patina herauszukitzeln und ein Material richtig herauszufordern.«

 
 
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Wie definierst Du Schönheit im Kontext eines Möbelstückes?

Ich glaube wirklich schön kann für mich nur sein, was für alle Sinne funktioniert, nicht nur für die Augen. Ein Tisch wird erst richtig schön, wenn man daran sitzt und merkt, dass die Proportionen perfekt sind und er sich super zur Kommunikation eignet. Und er darf nicht zu glatt sein. Viele neu interpretierte Designklassiker finde ich zum Beispiel überhaupt nicht attraktiv – denen fehlt etwas, Tiefe, Leben.

Dein Laptopcase „Noah“ aus Holz, das Du vor ein paar Jahren entwickelt hast, wurde zum Riesenerfolg. Wie kam die – zugegebenermaßen etwas absurde – Idee zustande?

Während meiner Weltreise habe ich mir meinen allerersten Laptop – das Macbook 12 inch – in Amerika gekauft. Ich wollte allerdings nicht mit der offensichtlichen Apple-Box in der Hand weiterreisen und habe mir dann einfach eine Holzbox als Hülle gebaut. Einerseits war es ein reines Spaß-Projekt, andererseits super robust und perfekt für meinen Rucksack. Und der Kontrast zwischen dem Eichenholz und dem silberfarbenen Laptop ist auch ziemlich gut.
Als ich danach in Berlin angekommen bin, lag es in meinem Atelier herum und ich wurde immer wieder darauf angesprochen. Ein befreundeter Fotograf hat das dann ganz gut dokumentiert und als vor sieben, acht Jahren der Blog-Boom kam, ist es passiert: Irgendwer hatte eines der Bilder von meiner Website auf seinen Blog gezogen. Ich kam abends nach Hause, klappte den Rechner auf und hatte 120 Mails im Posteingang. Der Betreff war immer der Gleiche: „Laptopcase“. Da dachte ich mir: „Ach du Scheiße!“. Ich hatte ja gerade mal eine Hand voll Cases vorproduziert. Am nächsten Tag rief mich dann der Systemadministrator meiner Website an und fragte, ob ich nicht Werbung schalten will, ich hätte an die 60.000 Klicks pro Tag auf meiner Seite – da brauchte ich erstmal einen Drink.

Kannst Du Dich noch erinnern, welcher das war?

Tatsächlich Whiskey.

Was liebst Du an dem Getränk?

Er passt zu sehr vielen Lebenssituationen, gleichzeitig hat er so viele Facetten, Farben und Nuancen. Whiskey ist ein bisschen das Holz unter den Getränken.

Was erwartest Du Dir von den Cee Cee Lessons?

Ich freue mich auf die Leute und deren Erwartungen. Ich bin sehr gespannt, ob und was sie über mich, meine Arbeit und das Material Holz generell wissen. Und dann interessieren mich natürlich die individuellen Endresultate, wie sich der Charakter der einzelnen Personen widerspiegelt.

Und was würdest Du gerne vermitteln und was wäre das größte Kompliment, das Du von einem Workshop-Teilnehmer bekommen könntest?

Dass die Arbeit mit mir etwas in ihm geweckt hat. Etwas, von dem er vielleicht nicht einmal wirklich wusste, dass es da ist. Ich würde mir wünschen, dass der Workshop dazu animiert, auch die Sicht auf viele Dinge zu überdenken, ohne den Teilnehmern dabei meine aufzudrängen. Sie sollten schon gerne nicht nur so arbeiten, wie es vorgegeben wird. Jeder soll sein eigenes Ding machen. So wie ich.

 

Interview: Zsuzsanna Toth
Fotos: Andreas Bohlender, Daniel Farò
Video: Ali Naddafi

 
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Lesson 4


Lesson 4


 

LESSON 4: MACRAMÉ WITH BOHAZEL

Die Kunst des Knotens: Desiree Bühler von Bohazel hat sie uns im Rahmen der Cee Cee Lessons beigebracht. Gemeinsam mit 12 Gästen haben wir gestern Nachmittag (14.7.2016) im #‎LiveThere Haus von Airbnb im Hallesches Haus individuelle Makramee-Blumenampeln geknüpft und mit kleinen Pflanzen bestückt. Danke an Desiree für das Expertenwissen, Airbnb für die Einladung und unseren Partner der Lessons Bulleit. Wer es nicht zum Workshop geschafft hat: im Bohazel Shop kann man die schönen Makramees auch schon fertig kaufen. Das #LiveThere Haus von Airbnb hat noch bis Sonntag auf und bietet noch viele weitere tolle Workshops!

 
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Lesson 5


Lesson 5


 

LESSON 5: ALGAE
by BLOND & BIEBER

Seit 2015 veranstaltet Cee Cee zusammen mit Bulleit Whiskey interaktive Workshops mit ausgewählten Partnern, mit dem Ziel, die Cee Cee-Community mit Berlins Machern und Kreativen zusammenzubringen und ihr deren Handwerk näherzubringen. Dieses Mal sind wir gemeinsam mit dem Team von Bulleit zu Gast im Made.com Showroom und mischen gemeinsam mit unseren Freunden und Gästen Farben aus Algenpigmenten. Angeleitet werden wir dabei vom charmanten Duo Blond & Bieber, das für seine außergewöhnlichen Textildesigns und seine Experimentierfreunde bekannt ist. Essi und Rasa teilen ihre Forschungsergebnisse und zeigen uns wie man mit Algen Textilien bedrucken kann. 

 
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Lesson 6


Lesson 6


 

LESSON 6: LetterpresS &
LINOLSCHNITT MIT supersense

 

Cee Cee Lessons goes Vienna. Für die sechste Edition unsere Workshopreihe reisen wir, gemeinsam mit unserer Partner Bulleit Whiskey, bis nach Wien. Der Grund: dort sitzen Experten ihres Gebiets. Im wunderschönen Concept Store mit eigenem Workshop werden wir in die Letterpress-Drucktechnik sowie in die Kunst des manuellen Linolschnitts eingeweiht. Das Supersense-Team rund um Druckexpertin Annamaria Tatu wird mit uns am 11.6.2017 über einen Zeitraum von vier Stunden die Walzen drehen und im analogen Prozess Papiere bedrucken. Nach getaner Arbeit nehmen wir dann noch mit den Teilnehmern sowie einigen weiteren alten und neuen Freunden einen Sundowner bei Supersense ein.

Wenn Du am 11.6.2017 beim Letterpress- und Linolschnitt-Workshop mit Supersense in Wien dabei sein willst, schreib uns an win@ceecee.cc

 
 
 
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Interview mit Marlene Kennreiter, Annamaria Tatu & Wild Evel VON SUPERSENSE

 
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Wie seid ihr drei, die Gründer, auf die Idee für Supersense gekommen?

Marlene Kennreiter: Aus der Überzeugung heraus, dass unsere digitale, rasende, anonyme Welt einen analogen Ort der Entschleunigung und sinnlichen Erfahrung gut brauchen kann.

 

Annamarie, wann bist Du zu Supersense gestossen und was ist Dein Background? 

Annamaria Tatu: Ich bin seit April 2016 Teil des Supersense-Teams und ich liebe jedes einzelne Detail der Arbeit, die ich hier mache. Ich habe Grafik und druckgrafische Techniken an der Akademie der bildenden Künste Wien studiert und schätze mich selbst sehr glücklich, jetzt hier mit Leuten zusammenarbeiten zu können, die an den Wert alter Technologien glauben und in diese investieren, um sie in unserer Gegenwart zu bewahren.

 

Eure Räumlichkeiten sind beeindruckend — was war hier früher Zuhause?

Marlene Kennreiter: Der Dosenhof wurde 1896 nach venezianischem Vorbild gebaut und war ursprünglich als Hotel konzipiert; Jahrzehntelang beherbergte er das legendäre Kaffee Dosenhof. Die Supersense-Räumlichkeiten wurden zwischen 2003 und 2006 aufwändig renoviert und in Originalzustand rückversetzt. Seit 2013 dürfen wir diese herrlichen Palasträumlichkeiten mit Blattgold an den Wänden unser bescheidenes Zuhause nennen.

 

Bei Supersense geht es um analoges Dinge und Prozesse. Was fasziniert euch daran?

Marlene Kennreiter: Ach, so vieles! Vor allem, dass man die Entstehung hinter den Dingen verstehen und nachvollziehen kann (im Gegensatz zu vielem digitalem — es funktioniert, aber man versteht eigentlich nicht wie) — allein dadurch wird ales was man tut wieder greifbarer, echter lebendiger. Dass der Entstehungsprozess ein so sinnlicher und beglückender sein kann, und dass das Ergebnis so einzigartig und wertvoll ist.

 
 
 
 

Wo findet ihr die alten Geräte? 

Annamaria Tatu: Wir verfügen glücklicherweise über ein großes Netzwerk an analogen Experten, Handwerkern und Tüftlern, über die wir Zugriff zu diversen Gerätschaften haben. Einige sind leichter zu finden als andere, zur Zeit interessieren wir uns besonders für Geräte zur Buchbindung und Kartonage-Manufakturen. 

 

Wie würdest Du die Stimmung bei Supersense beschreiben? 

Annamaria Tatu: Ich denke für uns ist es wichtig, alles einfach, niederschwellig und für jeden leicht zugänglich zu halten. Wir sind allesamt wahrhaftig überzeugt, leidenschaftlich und versiert bei der Sache (und das teilweise auch am Rande zur Verrücktheit), und wir lieben es, unsere eigenen Produkte selbst herzustellen sowie an Projekten zu arbeiten, mit denen Leute auf uns zukommen. Dafür nehmen wir uns immer gerne Zeit und verdienen oft selbst gar nicht wirklich daran - aber wir sehen es einfach lieber, jemanden glücklich zu machen als Geld einzustreichen. 

 

Die "Craft"-Bewegung ist momentan seht angesagt — spürt ihr das bei Supersense? Wie erklärt ihr euch diese Welle der Begeisterung?

Marlene Kennreiter: Das Persönliche, Direkte, Echte ist wohl das, was Leute in unserer Zeit der anonymen Massenproduktion wieder mehr zu schätzen wissen.

 

Was fasziniert Dich am Drucken mit der Letterpress-Maschine? 

Annamaria Tatu: Ich liebe den gesamten Arbeitsprozess von Anfang bis zum Ende: von der Zeit, die ich für das Design aufwende, über die Auswahl der Buchstaben, den Geruch der Tinte, das Geräusch der drehenden Walzen und den Rhythmus des Druckens selbst. Das ganze ist ein sehr intensiver Prozess, sehr intuitiv, sehr hands-on, sehr körperlich. Dabei erstelle ich nie vorab Entwürfe, sondern alles passiert direkt in der Druckwerkstatt - Geist, Objekt, Text und Design müssen allesamt da sein. Ideen formen sich im Laufe der Arbeit zu dreidimensionalen Skulpturen. Und am Ende steht die Faszination mit dem gedruckten Resultat. Immer und immer wieder.

 
 
 

Was ist das besondere am Linolschnitte für Dich?

Wild Evel: Für mich ist das besondere am Linolschnitt, daß es bis zum ersten Testdruck spannend bleibt wie das Resultat im Endeffekt aussehen wird. Ich mag den Prozess der Ausarbeitung, des Schnitzens/Schneidens. Mann erstellt eine Art Relief das man durchaus auch ohne schweres Gerät als Druckvorlage verwenden kann. Wenn man mit dem Werkzeug abrutscht oder zu viel wegnimmt hat man Pech gehabt. Aber auch das macht den charm eines Linolschnitt aus.

 

Für welche Gelegenheiten eignen sich die beiden Techniken?


Wild Evel: Linolschnitt eignet sich gut für freie Designs, Formen die durch die Hand des schneidenden angefertigt werden. Spricht man kann der Vorlage eine persönliche Handschrift verleihen.

Annamaria Tatu: Letterpress eignet sich primär zum Druck von Text. Wir lieben es aber auch wenn Buchstaben zu abstrakten Formen werden, was uns jedesmal überrascht. Traditionellerweise arbeitete Letterpress auf geraden Linien, aber wir haben Techniken entwickelt, um Text oder Symbole auch in Kurven oder andere Richtungen zu drucken . 

 
 
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Ihr gebt regelmässig Workshops bei euch - warum und für wen sind diese geeignet?

Marlene Kennreiter: Wir verstehen uns als offenes, analoges Experimenterlabor, als Werkstatt, in der wir unsere eigenen Editionen Produzieren, in der aber jeder andere auch willkommen ist, gemeinsam mit uns zu arbeiten. Und mit jeder meinen wir auch jeden - alle sind zu unseren Workshops willkommen!

 

Was ist das besondere an euren Workshops?

Marlene Kennreiter: Zum einen die Möglichkeit, hier ganz besondere, einzigartige, nicht alltägliche Maschinen und Technologien benutzen zu können, zum anderen unsere leidenschaftlichen und versierten Experten, die allen Teilnehmern ganz individuell zur Verfügung stehen.

 

Was macht Dir im Rahmen eines Workshops am meisten Spass?

Annamaria Tatu: Teilen. Ich mag die Idee, dass ich mit Leuten arbeiten kann, die echt an den Techniken interessiert sind und, dass die meisten von ihnen wollen, was sie lernen in ihrem Leben zu integrieren. Durch jeden Workshop habe ich den Eindruck, dass ich neue Freunde finde, die verstehen, worüber wir reden.

 

Interview: Morgane Le Rouzic / Nina Trippel

Fotos: Andreas Jakwerth c/o Cee Cee Creative